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Feuerbrand ist nicht nur mit "Chemie-Keule" bekämpfbar
Die in Tulln ansässige Firma Bio-Ferm hat sich auf die Entwicklung und Produktion ökologischer Pflanzenschutzmittel spezialisiert
Wien – Es müsste nicht die Chemie- oder Antibiotika-Keule sein. Der sogenannte Feuerbrand, der zurzeit die Obstbauern in arge Bedrängnis bringt und eine heftige Debatte zum Einsatz des Antibiotikums Streptomyzin ausgelöst hat, wäre auch mit natürlichen Präparaten bekämpfbar. Die in Tulln ansässige Firma Bio-Ferm, 2005 gegründet, hat sich auf die Entwicklung und Produktion ökologischer Pflanzenschutzmittel spezialisiert. Dabei werden Forschungserkenntnisse eingesetzt, die Pflanzenkrankheiten natürlich bekämpfen sollen.
Gegen den seit dem Vorjahr in Österreich verstärkt auftretenden Feuerbrand, der Blüten von Kernobstbäumen (Äpfel, Birnen, Quitten) befällt, hat Bio-Ferm ein Hefepräparat entwickelt, das natürliche Mikroorganismen gegen die Krankheitserreger Erwinia amylovora einsetzt. Dabei besiedeln sogenannte Aureobasidium pullulans den Blütenboden und konkurrieren dort mit den Erregern. Das Präparat "Blossom Protect" ist in Österreich seit 2005 zugelassen und von der Agentur für Ernährungs_sicherheit genehmigt.
Christina Donat, bei Bio-Ferm für Forschung und Entwicklung zuständig, sagt, es gebe trotz der aktuellen Streptomyzin-Debatte keine verstärkte Nachfrage nach Blossom Protect. Es werde so getan, "als würde es uns gar nicht geben", sagt Donat. Teilweise sei die Blüte, etwa bei Birnen, schon voll in Gang und daher die Behandlung mit den Mikroorganismen für heuer zu spät. Der Preis für das Bio-Mittel beträgt zehn Euro pro Hektar; für 130 bis 150 Hektar wurde heuer ausgeliefert.
Bio-Ferm-Geschäftsführer Herbert Danner schlägt in dieselbe Kerbe wie Kollegin Donat: "Wir verfolgen die aktuelle Diskussion über den Einsatz von Antibiotika in den Medien mit großem Interesse. Leider ist es immer noch so, dass vielfach behauptet wird, es gäbe keine wirksame Alternative im Einsatz gegen Feuerbrand." Bio-Ferm gehört Danner (75,5 Prozent) und Erber-AG in Herzogenburg (24,5 Prozent) und arbeitet mit der Universität für Bodenkultur und der Uni Konstanz zusammen. Erber beschäftigt weltweit 550 Mitarbeiter und setzt sich mit Additiven und Premixen für die Tiergesundheit, Diagnostik von Futter- und Lebensmitteln und Biotech-Pflanzenschutz auseinander. Bio-Ferm ist eine reine Vertriebsorganisation. Produktion, Forschung und Entwicklung sind in andere Unternehmen innerhalb der Gruppe ausgelagert. Blossom Protect wird in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Slowakei und Slowenien verkauft und macht rund 50 Prozent des Bio-Ferm-Umsatzes aus. (Barbara Forstner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.4.2008)
Gruß
Astacus